Romantik pur im Trollbachtal

In den steilen Dorsheimer Spitzenlagen gedeihen Riesling-Weine von Weltruf. Das faszinierende Wechselspiel der unterschiedlichen Gesteinsarten ermöglicht höchst unterschiedliche Geschmackstypen. Während Devonschiefer im Pittermännchen feinste Rasse garantiert und kieselsteinhaltiger Lehmboden im Goldloch substanzreiche Weine erbringt, liefert der Quarzitboden im Burgberg nuancenreiche Rieslinge von großer Eleganz.

Die Geologie im Trollbachtal

Die Weinbauregion Nahe nimmt aufgrund ihrer geologischen Vielfalt eine Sonderstellung ein. Es sind fünf Formationen, die sich berühren: Die ältesten Gesteine entstanden im Devon vor etwa 350 Millionen Jahren, gefolgt von der Karbon- oder Steinkohlenzeit und dem Perm, dessen erste Phase vor 286 Millionen Jahren einsetzte. Sehr viel jünger sind die Ablagerungen des Tertiärs vor 30 Millionen Jahren, als das Meer zum letzten Mal unseren Raum erreichte. Die letzte Formation ist das Quartär.



Der Naheraum gehört geologisch zu einer großen Mulde, der Saar-Nahe-Senke, die im Karbon entstanden ist. Im Zeitalter des Rotliegenden wurde die Senke vertieft, von vulkanischen Eruptionen erschüttert und später mit Gesteinen aufgefüllt. Im Tertiär sank die oberrheinische Tiefebene ein, ein Meeresarm reichte bis in die Gegend von Sobernheim.

In der Eiszeit waren selbst der Schwarzwald und die Vogesen vergletschert. Das Gebiet der Nahe war eisfrei, doch stand es ganz unter dem Einfluss der wechselnden Kalt- und Warmzeiten. Während der Hunsrück sich etwas hob, grub sich die Nahe in die „weichen“ Ablagerungs-schichten ein, durchsägte aber auch härtere Gesteine, wie der Durchbruch zwischen Bingerbrück und Bingen beweist. Das galt auch für den Trollbach.

Im Osten hat der Landkreis Bad Kreuznach Anteil an einer „Seitenkammer“ des oberrheinischen Tieflandes. Sie wird nach Norden vom Binger Wald begrenzt, einem Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges. Somit liegt das Untere Naheland, das gleichmäßig gegen die Vorberge des Soonwaldes ansteigt, im Wind- und Regenschutz des Hunsrücks.

Skurrile Felsklippen

Jahrhundertelang führte nur ein schmaler Fußweg durch das Trollbachtal. Erst 1909 bringt der Bau einer Kreisstraße für Burg Layen, Rümmelsheim und Dorsheim die direkte Anbindung an das Verkehrsnetz von Nahe und Rhein.

Der Trollbach, der sich tief in das anstehende Gestein einschneiden musste, schuf einzigartige und bizarre Felspartien. Die drei interessantesten bezeichnet der Volksmund nach ihrem Erscheinungsbild als „Kamel“, „Nikolaus“ und „Eierfelsen“. Es sind sowohl einzelstehende, bis 15 Meter hoch aufragende Türme, als auch Steilwände und liegende Rücken. Sie ziehen sich, am östlichen Ausgang des Trollbachtales beginnend, bis zu 60 Metern Höhe die nördliche Talseite hinauf.

Zunächst hat der Trollbach durch seine Erosionstätigkeit die harten Gesteinspartien freigelegt. Danach war die Verwitterung an der Modellierung der Felsen beteiligt. Das Gestein zeigt eine rotbraune Farbe. Wir erkennen in der feinsandigen Masse kleinere und größere Gesteinsbrocken unterschiedlicher Form und Farbe, die in dem Konglomerat zementiert sind: helle und dunkle Quarzite, Tonschiefer, Grünschiefer, Stromberger Kalk, Milchquarz und Phyllite. Dieses bunt durcheinander gewürfelte Material sind die Reste ursprünglicher Gesteinsschuttanschwemmungen. Sie gehören geologisch zu den Waderner Schichten, einer Unterabteilung des Rot-liegenden. Diese so genannten Fanglomerate können sich nur in einem heißtrockenen Klima bilden, vergleichbar mit den Bedingungen im „Tal des Todes“ (Death Valley) in den westlichen USA. Durch die erheblichen Temperaturunterschiede von Tag und Nacht verwittert das Gestein bald zu größeren und kleineren Brocken und häuft sich am Fuß der Felsen an. Gelegentliche wolkenbruchartige Regengüsse reißen große Mengen des Gesteinsschutts mit sich fort und lagern ihn unsortiert ab.

Mildes Klima

Obschon dort wahrlich kein Wüstenklima herrscht, so gehört das Trollbachtal doch zu den trockensten und wärmsten Regionen Deutschlands. Die nach Westen vorgelagerten Höhen des Hunsrück halten einen großen Teil der Niederschläge ab, vom Oberrheintal fließt dessen Wärme über die Niederung der Nahe auch in das kleine Seitental des Trollbachs. Es hat bei einer Durchschnittstemperatur von 9,7 Grad Celsius im langjährigen Mittel einen Niederschlag von gerade mal 534 Millimetern.

Mit 20 Grad Celsius im Juli-Durchschnitt sind die Sommer recht warm aber nicht eben heiß. Jahre mit trockenen Sommerperioden wie 1947, 1959 und 1976 stellen besondere Extreme dar.

Der Großteil der Niederschläge fällt im Frühjahr und im Herbst. Die Durchschnittstemperaturen im Winter liegen selten unter null Grad, von einzelnen kalten Wintern und kürzeren Kälteperioden abgesehen.




 

Außergewöhnliche Botanik

Obwohl die Felsenklippen im Trollbachtal im Prinzip ungünstige Pflanzenstandorte sind, bringt das tief eingeschnittene Tal mit dem günstigen Mikroklima höchst interessante Biotope hervor. Als Pioniere siedeln sich Flechten und dürreresistente Moose an. Speziell die Flechten tragen durch Absonderung von Säuren zur schnellen Verwitterung der Gesteinsoberfläche bei.   



 

Zusätzlich spielt die Exposition zur Sonne eine wichtige Rolle. An manchen Sommertagen steigt die Temperatur auf dem nackten Felsgestein von Goldloch und Eierfelsen auf 50 bis 60 Grad Celsius an. Der sich rasch erwärmende Urgesteinsboden kühlt nachts ebenso schnell wieder ab. Temperaturschwankungen von 40 Grad und mehr sind keine Seltenheit.  
Dieses Mikroklima entspricht südeuropäischen, ja sogar nordafrikanischen Verhältnissen. Selbst nach starkem Regen ist der wasserdurchlässige Boden bereits nach weinigen Tagen wieder völlig ausgetrocknet. Allein in Felsspalten und Klüften kann sich die Feuchtigkeit halten. An solchen Stellen gedeiht die XerothermVegetation, d.h. Pflanzen, die an ein Großklima mit langanhaltender Hitze und Trockenheit angepasst sind. Aufgrund ihres besonders niedrigen Wasserbedarfs vermögen sie auch längere Trockenperioden zu überstehen. Sie gelangten im Klimawechsel der Nacheiszeit vor etwa zehntausend Jahren in diese Region und konnten sich an den sonnigen Felshängen des Trollbachtales bis heute halten.




   

Vornehmlich im Goldloch begegnet man dem Haarpfriemengrassteppenrasen. Er setzt sich hauptsächlich aus Pflanzen der südeuropäischen bis zentralasiatischen Steppen zusammen und ist Relikt einer nacheiszeitlichen trocken-warmen Klimaperiode. Damals dehnten sich die Steppen vom Schwarzen Meer bis zur Nahe aus. Neben diesen Steppengräsern findet man auch BlumenStauden: die Küchenschelle mit den auffällig violetten Blütenglocken, die Karthäusernelke, das Sand-Fingerkraut und die Traubige Graslilie.  In den Vegetationslücken der Steppenrasen haben sich Felsgrus-Gesellschaften angesiedelt. Felsgrus besteht aus Schutt mit haselnußgroßem Material und einigen gröberen Gesteinsbrocken sowie einer sehr dünnen humosen Schicht. Charakteristisch sind hier Blattsukkulenten, Pflanzen, die in Polstern Wasser speichern (Mauerpfeffer und Fetthenne), aber auch Tiefwurzler und einjährige Arten. Auch diese Felsgruspflänzchen gehören zur XerothermVegetation. Häufigste Vertreter sind das Felsengilbsternchen und der seltene HeideEhrenpreis. Dazu gehören der scharfe Mauerpfeffer, das Sonnenröschen, der Traubengamander, der Schmalblättrige Lein sowie die äußerst rare Öhrchen-Gänsekresse, die im Trollbachtal nur auf dem Eierfelsen vorkommt. 
Am Rande des kleinen Eichen-Mischwaldes westlich vom Eierfelsen siedelt in deren Windschutz eine licht- und wärmebedürftige Staudengesellschaft aus dekorativen Blumen. Dazu gehören der Blutrote Storchschnabel, das Felsen-Fingerkraut, der Bergklee und der Diptam, eine bis 1,50 Meter hoch wachsende Staude mit einem Blütenstand aus weißen, von roten Adern durchzogenen Blütenblättern.

 

Die größte botanische Rarität im Trollbachtal ist jedoch die Grundblütige Segge, auch Hallers Segge genannt. Wir finden sie in den steilen, nur wenig mit Gebüsch durchsetzten Trockenrasen des Goldlochs und auf dem monolithischen Block des Eierfelsens. Diese Segge findet ihr Hauptverbreitungsgebiet im Mittelmeerraum und wächst dort im Trockenrasen lichter Kiefern- und Olivenwälder. In Deutschland hat die Grundblütige Segge nur noch einen weiteren Standort, am Isteiner Klotz im südwestlichsten Zipfel Badens gelegen. Im Naheraum erreicht sie die absolute Nordgrenze ihrer Verbreitung. Erst 1934 wurde die Grundblütige Segge von dem bedeutenden Botaniker und Heimatforscher David Wiemann im Biotop des Goldlochs nachgewiesen.



Die Spitzenlagen im Schlossgut Diel

Romantik pur im Trollbachtal
Burg Layen Schlossberg
Dorsheim Pittermännchen
Dorsheim Goldloch
Dorsheim Burgberg
Wertvolle Weinberge an der Nahe

Burg Layen Schlossberg - Erste Lage VDP Nahe

Der Besitz in dieser unmittelbar an den Ort Burg Layen angrenzenden, sanft nach Süden ausgerichteten Lage umfasst 1,3 Hektar. Der tonhaltige Lehmboden ist mit stark verwittertem Devonschiefer durchsetzt. Dieses Terroir begünstigt die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und bildet eine exzellente natürliche Grundlage für die Erzeugung von Spitzenweinen. Rieslinge aus dem Schlossberg weisen in ihrer Jugend eine geradezu verlockende Fruchtigkeit auf, während die feinrassige Mineralität ihnen ein vorzügliches Reife-Potenzial vermittelt.

Dorsheim Pittermännchen - Große Lage VDP Nahe

Mit gut einem Hektar Rebfläche ist dies das kleinste Mitglied im exklusiven Klub der Dorsheimer Steillagen des Gutes. Die originelle Bezeichnung geht zurück auf eine kleine Silbermünze aus dem 16. Jahrhundert. Damit sollte offenbar die Wertigkeit der Weine aus diesem Weinberg zum Ausdruck gebracht werden. Der Lehmboden ist überwiegend mit grauem Devonschiefer durchsetzt. Dieses Terroir bietet ideale Voraussetzungen für die Erzeugung filigraner Rieslinge, die ein hervorragendes Reifepotenzial aufweisen.

Dorsheim Goldloch - Große Lage VDP Nahe

Mit mehr als fünf Hektar Rebfläche ist das Gut bei weitem größter Besitzer in dieser prachtvollen Dorsheimer Steillage. Im 17. Jahrhundert soll dort nach Gold gegraben worden sein und der Volksmund deutete später scherzhaft an, dass die Winzer mit ihren Weinen aus dieser Lage viel Gold, spricht Geld verdienten. Der aus der Permzeit stammende, felsige Urgesteinsboden ist von einer dünnen Lehmschicht bedeckt, welche eine Vielzahl von Kieselsteinen enthält. Dort gedeihen kraftvolle, elegante Rieslinge, die zu den langlebigsten Naheweinen überhaupt zählen.

Dorsheim Burgberg - Große Lage VDP Nahe

Erst seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts ist Schlossgut Diel im Burgberg begütert und besitzt mit knapp zwei Hektar exakt die Hälfte dieser mikroklimatisch einzigartigen Dorsheimer Steillage. Ihre von Felsen umrahmte Kesselform erinnert an den Aufbau eines römischen Amphitheaters. Der Name entstand in Anlehnung an die Burg Layen und sollte die Besonderheit des Areals unterstreichen. Der eisenhaltige Lehmboden weist einen hohen Anteil von Quarzit auf, welcher den Weinen einen äußerst mineralischen Charakter verleiht.

Wertvolle Weinberge an der Nahe

Im Rahen einer offiziellen Grundsteuerkartierung wurden die Dorsheimer Spitzenlagen Pittermännchen Goldloch und Burgberg im Jahr 1901 in die höchste Kategorie dir beste Weinberge an der Nahe aufgenommen.

Die Nahe-Weinbaukarte des Jahres 1901

Es gibt einen wesentlichen Grund, warum gerade zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert das Interesse an der Herkunft großer Weine in Deutschland so ausgeprägt war: Damals ging es den Winzern gut, die besten hatten es durch Weinbau gar zu ansehnlichem Wohlstand gebracht. Es war die Zeit, als Auslesen von der Nahe international so angesehen waren, dass sie teilweise sogar teurer waren als die legendären Premiers Grands Crus aus Bordeaux. Es war die Zeit, als sich Weinhändler in Kreuznach prachtvolle Villen leisten konnten und viele Menschen der Region an der florierenden Weinwirtschaft teilhatten.


Kein Wunder, das das Interesse der Branche, die Grundlage ihres Wohlstandes zu dokumentieren, zum Ende des 19. Jahrhunderts immer stärker wurde. Die Winzer und Weinhändler konnten schließlich den Kreuznacher Verleger Harrach dafür begeistern, eine Karte über die Klassifikation der Naheweinberge aufzulegen. Doch es bedurfte erst einer regelrechten Verfügung des Coblenzer Regierungspräsidenten August Friedrich Freiherr von Hövel vom 10. Mai 1899.

Die Behörden konnten auf umfangreiche Vorarbeiten zurückgreifen. In den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts war auch an der Nahe Grund und Boden in seiner Nutzung erfaßt und bewertet worden. Diese Erhebung war die Basis für die Grundsteuer-Veranlagung und wurde in den 60er Jahren fortgeschrieben. Zwar sind die Klassifikationen in Frankreich, etwa die von Bordeaux, Burgund oder dem Elsaß, in aller Munde. Doch heute gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass in Deutschland mit der Festsetzung des Einheitswertes für die verschiedenen Lagen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die erste systematische Weinbergsklassifikation der Welt gelang.

Die Preußen haben mit ihrer sprichwörtlichen Gründlichkeit diese Tradition gepflegt. So ist auch die Anweisung des Coblenzer Regierungspräsidenten vom 10. Mai 1899 an den Kreuznacher Landrat Agricola zu verstehen. Der Präsident wollte die Weinbaukarte der Nahe nicht allein auf den Daten der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fußen lassen: „Da es erwünscht erscheint, dass die Weinbaukarte ein Bild des gegenwärtigen Zustandes biete, so sollen auch die seit jenem Zeitpunkt eingetretenen Veränderungen insoweit Berücksichtigung finden, als sie wesentlicher Natur sind". Der Regierungspräsident regte dazu die Mitarbeit der Bürgermeister an, die „sich zweckmäßig mit Weinbausachverständigen in Verbindung setzen sollen". Vom Königlichen Katasteramt zu Kreuznach kam der Vorschlag, „dass aus jeder Gemeinde ein wohl instruierter, mit den örtlichen Verhältnissen genau vertrauter tüchtiger Landwirt an der Hand der Katasterkarte hier auf dem Bureau Auskunft erteilt, die Angaben würden als dann sofort in den betreffenden Karten vermerkt." Aus der Grundsteuer-Karte wurde somit unter Beteiligung des Berufsstandes eine echte Klassifikation der Weinberge an der Nahe.

Es zeigte sich bald, dass bis zur Realisierung des Projektes einige Hürden zu nehmen waren. Die höchste war die Zersplitterung des Gebietes in mehrere Herrschaftsbereiche, eine Tatsache, die über viele Jahre die Bildung einer eigenständigen Weinbauregion Nahe verhindert hat. Aus dem Königreich Bayern mußten Gemarkungspläne aus den Vermessungsbezirken Obermoschel und Winnweiler angefordert werden zur Darstellung der Flächen südlich der Nahe und im Alsenztal. Der Generalquartiermeisterstab des Großherzogtums Hessen steuerte Zeichnungen der rechts der Nahe gelegenen Flächen bei.

Doch blieben die Angaben aus beiden Länder unvollständig. Auf der Karte selbst heißt es dazu: „Die Weingärten des bayrischen und hessischen Gebiets sind nur der Fläche nach dargestellt; eine Unterscheidung nach Wertklassen ist wegen Schwierigkeit der Ermittlungen nicht vorgenommen". Im Königreich Preußen waren allein vier Katasterämter zuständig: Kreuznach, Stromberg, Sobernheim und Meisenheim. Zwei kleine Enklaven im westlichen Teil (Fürstentum Birkenfeld und Regierungsbezirk Trier) runden die Palette der Zuständigkeiten ab.

Bei alledem kann man nicht genug bewundern, was die preußischen Beamten doch zuwege brachten. Es gelang ihnen offenbar eine umfassende Klassifikation der Nähe-Weinberge, die bis zum heutigen Tage volle Gültigkeit hat. Bei näherem Hinsehen fällt nämlich auf, dass die damals in die höchste Wertklasse eingestuften Weinberge auch heute noch unter Kennern das höchste Ansehen genießen. Das geht quer durchs Anbaugebiet vom Monzinger Halenberg und der Niederhäuser Hermannshöhle bis zu den Dorsheimer Lagen Goldloch, Pittermännchen und Burgberg -  alle diese Spitzenlagen waren damals bereits als l. Klasse-Weinberge verzeichnet.

Eingestuft wurde übrigens in drei Klassen: Weinberge, die bei der Grundsteuer-Regelung zwischen 15 und 120 Silbergroschen pro Morgen eingeschätzt wurden, in der mittleren Kategorie jene im Wert von 150 bis 240 Silbergroschen und darüber hinaus die besten Lagen im Bereich zwischen 360 bis 600 Silbergroschen. Auf der Nähe-Karte von 1901 sind die drei Wertklassen farblich abgestuft dargestellt: Die einfachen Weinberge sind am schwächsten, die Spitzenlagen am stärksten eingefärbt. Die meisten Veränderungen sind im Grenzbereich der Gemeinden zu verzeichnen. Vor allem die Stadt Kreuz nach hat sich im Vergleich zu 1900 stark ausgedehnt.

Die Finanzierung der Karte war übrigens alles andere als einfach. Im Briefwechsel der Behörden gibt es deutliche Parallelen zur Gegenwart. Die Anfertigung der Zeichnungen sollte 750 Goldmark kosten - eine immense Summe. Die Handelskammer zu Koblenz hat davon den Löwenanteil von 500 Mark übernommen. Den Rest von 250 Mark sollte auf Bitte des Regierungspräsidenten der Kreis Kreuznach übernehmen. Landrat Agricola dachte nicht daran - und schickte Bettelbriefe an verschiedene Adressen. Der Weinhändler-Verein rang sich schließlich zu 50 Mark Beitrag durch - immerhin habe man an die Handelskammer bereits die gleiche Summe für das Projekt abgeführt, klagte Vorsitzender Julius Stoeck. Der Chef der „Landwirtschaftlichen Abtheilung", Jean Winkler, wies das Ansinnen Agricolas hingegen brüsk ab. Stattdessen traf der Landrat aber bei der Kreuznacher Stadtverordnetenversammlung auf Gehör und bekam 225 Goldmark bewilligt.

Am 10. Juli 1901 schließlich meldete der Regierungspräsident die Fertigstellung der Karte. Sie konnte zum Preis von 3 Mark beim Verlag erworben werden. Obwohl Harrach dem Festausschuß des 20. Deutschen Weinbaukongresses, der im September in Kreuznach stattfand, die Karte zum halben Preis anbot, lehnte dieser ab. Landrat Agricola leitete auch diesmal die dringende Bitte aus Koblenz, die Chance zur Werbung für die Nahe doch nicht zu verspielen, an die Stadt weiter - die erneut die Kosten übernahm. So kamen die auswärtigen Teilnehmer des Kongresses doch noch in den Besitz der ersten offiziellen Klassifikation der Naheweinberge.

Die erste amtliche Festlegung der Namen und Grenzen der Weinbergslagen an der Nahe erfolgte, nachdem des Land westlich des Rheins ab 1796 von der französischen „Armée du Rhin“ besetzt wurde. Die Weinbauorte Burg Layen und Dorsheim, in deren Gemarkung sich das Gros der Weinberge von Schlossgutes Diel befanden, gehörten damals zum Département Rhin-Moselle.


Die ersten Flurkarten aus dem Jahr 1819 stammten von dem französischen Geometer Subreville. Beim Wiener Kongress wurde die Region nördlich der Nahe im Jahr 1805 dem Königreich Preußen zugesprochen. 1857 wurde in Berlin die Neueinmessung die Neueinmessung der Flurkarten für die preußische Rheinprovinz angeordnet, die im Jahr 1860 vollzogen war. Gut dreißig Jahre danach, genauer gesagt im Jahr 1891 wurde damit begonnen, ein Grundbuch für die Gemeinde Dorsheim anzulegen, was insgesamt acht Jahre dauerte. Im Rahmen einer offiziellen preußischen Grundsteuer–Kartierung wurden die Dorsheimer Weinberge Goldloch, Pittermännchen und Burgberg im Jahr 1901 in die Erste Kategorie eingestuft. Eine von Jacob Diel initiierte und im Jahr 1937 abgeschlossene Flurbereinigung führte zur heutigen Aufeilung der Weinbergsparzellen am Unterlauf der Nahe.

Als deutliches Zeichen des Aufbruchs in einer lange unterschätzten Weinbauregion legten die Prädikatsweingüter (VDP) der Nahe im Jahr 1997 fest, dass nunmehr ausschließlich Riesling-Weine aus historisch anerkannten Spitzenlagen des Anbaugebietes das Privileg genießen, einen Weinbergsnamen auf dem Etikett zu tragen. Verbunden waren damit strikte Erzeungsregeln im Hinblick auf Handlese und Ertragsbeschränkungen. Die Grundlagen für diesen Weg weisenden Beschluss bildete die Preußische Grundsteuer-Karte von 1901.

Dies hatte zur Folge, dass alle übrigen Rieslingweine der VDP-Güter außerhalb der besten Weinberge geerntet werden als Orts- oder Gutsweine ohne Lagenbezeichnung verkauft werden. Dies gilt ebenso für alle übrigen Rebsorten, selbst wenn sie in Spitzenlagen angepflanzt wurden.

Im Jahr 2003 wurde das Große Gewächs als trockener Spitzenwein aus den privilegierten Weinbergslagen etabliert, 2008 folgte schließlich die Festlegung von Geschmackskorridoren für die jeweilige Prädikatsstufe. Seitdem sind Kabinettweine stets halbrocken bis feinherb, Spätlesen deutlich fruchtiger in der Süße und Auslesen, Beeren- und Trockenbeerenauslesen sowie Eisweine vom klassisch edelsüßem Stil.